Gerechtigkeit und Recht

Gerechtigkeit und Recht üben – Spr 21,3

[Spr 21,3]
Gerechtigkeit und Recht üben ist dem HERRN angenehmer als Opfer.

Welche Gerechtigkeit habe ich vor Gott?

Grundsätzlich ist kein Mensch gerecht vor Gott (Ps 14,1–3; Röm 3,10). Alle sind schuldig geworden. Und der Lohn dieser Sünde ist der Tod (Römer 6,23). Selbst das gute und heilige Gesetz, welches uns das Sündenproblem aufzeigt, kann uns nicht rechtfertigen vor Gott. (Gal 2,21). Gott allein ist derjenige, der aus Gnade den Gottlosen rechtfertigt (Römer 4,5). Und wie macht er das? Durch seinen Sohn Jesus Christus (Römer 3,24; Römer 5,1; Gal 2,16-17; Gal 3,24). Gottes sandte seinen Sohn (Joh 3,16), der für uns zur Sünde wurde, damit wir seine Gerechtigkeit bekommen (1 Petrus 2,24; 2 Kor 5,21). Jesus Christus ist also meine Gerechtigkeit, mit der ich vor Gott bestehe und versöhnt wurde (Kor 1,30). Ich bin aus Glaube an Jesus Christus gerechtfertigt (Apg 13,38-39). Die Gerechtigkeit Gottes ist ein Geschenk (Römer 5,17) und es bedarf Demut und Erkenntnis dieses dankbar anzunehmen.

Was ist der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Recht üben?

Die Bibelstelle nennt hier bewusst zwei Ausdrücke. Aber was ist der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Recht? Gerechtigkeit ist eine Eigenschaft und Charakter Gottes. Und alles, was diesem entgegengesetzt ist, ist Sünde. Gerechtigkeit ist also das Gegenteil von Sünde. Und Sünde ist Gesetzeslosigkeit. (siehe auch Joh 3,4–7).

Das Wort “Recht” (mišpāṭ) bezeichnet im juristischen Sinne tatsächlich eine Verordnung, ein Gesetz, eine Satzung, ein Urteil, ein Recht, eine Vorschrift. In 2. Mose 21 sehen wir das sehr klar und deutlich. Dort wird auch das Wort mišpāt gebraucht, wo ganz explizit Regeln und Verordnungen aufgelistet werden. “Und dies sind die Rechte, die du ihnen vorlegen sollst…”

Wo kommt der Ausdruck “Gerechtigkeit und Recht” noch vor?

Die einzelnen Wörter werden sehr viel in der ganzen Bibel verwendet. Aber interessant ist es, wo genau diese Kombination “Gerechtigkeit und Recht ausüben” verwendet wird. Diese Bibelstellen könnte man sicherlich auch noch studieren, um mehr herauszufinden. Dafür fehlt mir aber leider die Zeit. Vielleicht hole ich das noch nach. Für das Selbststudium lass ich sie aber trotzdem hier einfach mal unkommentiert stehen. 🙂 Falls du dazu Lust hast.

[1. Mo 18,19] Denn ich habe ihn erkannt, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm befehle, damit sie den Weg des HERRN bewahren, Gerechtigkeit und Recht auszuüben, damit der HERR auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat.
[Ps 33,5] Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN.
[Spr 1,3] um zu empfangen einsichtsvolle Unterweisung, Gerechtigkeit und Recht und Geradheit;
[Spr 21,3] Gerechtigkeit und Recht üben ist dem HERRN angenehmer als Opfer.

Was bedeutet ausüben ganz praktisch im Alltag?

Als ich den Bibelvers gelesen habe, konnte ich damit persönlich erstmal nicht so viel anfangen. Ich musste eher an irgendwelche Demos und Petitionen denken, die sich für irgendwelche Rechte einsetzen. Und das spielt damit sicherlich auch rein. Dennoch suche ich einen praktischen Zugang für den Alltag. Wie kann ich “Gerechtigkeit und Recht” im Alltag ausüben? Vielleicht kommen wir der Sache näher, wenn wir uns Parallelstellen bzw. noch andere Bibelstellen anschauen, wo Gott von “… ist mir lieber als eure Opfer” spricht.

Welche “lieber als” Bibelstellen gibt es noch?

  • [Spr 15,8] Das Opfer der Gottlosen ist dem HERRN ein Gräuel, aber das Gebet der Aufrichtigen sein Wohlgefallen.
  • [1. Sam15,22] Und Samuel sprach zu Saul: Hat der HERR Lust an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, aufmerksam zuhören besser als das Fett der Widder.
  • [Ps 50,14-15] Opfere Gott Lob, und bezahle dem Höchsten deine Gelübde;
    und rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!
  • In Jes 1,11-15 wird von diversen Opfern gesprochen, die Gott überhaupt nicht gefallen. Ganz im Gegenteil. Ab Vers 16 spricht er dann folgendes:
    • [Jes 1,16-17] Wascht euch, reinigt euch; schafft mir die Schlechtigkeit eurer Handlungen aus den Augen, hört auf, Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun, trachtet nach Recht, leitet den Bedrückten; verschafft Recht der Waise, führt die Rechtssache der Witwe!
  • Auch in Jer 7,21-23 wird von unnötigen Schlachtopfern und der Auffroderung ggesprochen, Gottes Anweisungen zu gehorchen.
    • [Jer 7,23] sondern dieses Wort habe ich ihnen geboten und gesagt: Hört auf meine Stimme, so werde ich euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein; und wandelt auf dem ganzen Weg, den ich euch gebiete, damit es euch wohl ergeht.
  • [Hosea 6,6] Denn an Liebe habe ich Wohlgefallen, aber nicht an Schlachtopfern, und an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“ (vgl. Mt 9,13)
  • [Micha 6,8] Er hat dir kundgetan, o Mensch, was gut ist; und was fordert der HERR anderes von dir, als Gerechtigkeit zu üben und dich der Liebe zu befleißigen und demütig zu wandeln mit (oder: vor) deinem Gott?

Es geht nicht um religiöse Rituale. Sondern um einen gerechten Lebensstil. Um das Wandeln in Liebe. Und vergiss dabei bitte nicht, dass du all das nicht aus eigener Anstrengung heraus machen muss (Gal 3,3). Du bist allein aus Gnade und durch das vollbrachte Werk von Jesus Christus gerettet und von Neuem geboren. (Röm 3,23-24; Tit 3,5)

Du hast seinen Heiligen Geist in dir (Römer 8,15). Das ist kein Geist der Furchtsamkeit, sondern der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit (2. Tim 1,7). Die Schrift sagt, dass du alles bereits hast, was du für ein gottgefälliges Leben brauchst (2. Pet 1,3). Jesus Christus lebt in dir. Wir sind nun ein Geist mit Jesus (1. Kor 6,17) und jetzt dürfen wir lernen, im Geist zu wandeln. 🙂 Wir sind jetzt Diener der Gerechtigkeit (2 Kor 11,15). Es geht nicht darum, krampfhaft “gerecht” zu leben, sondern unsere neue Identität in Christus zu erkennen und in unsere neuen göttlichen Natur (2 Pet 1,4) entsprechend zu wandeln.

Dabei bleiben wir demütig und stets von Ihm abhängig. Er ist der Weinstock und wir die Reben (Joh 15,5). Wir sind ein Kanal Christi. Alles, was wir brauchen, ist seine Gnade. Wir selbst müssen nicht stark sein. (2 Kor 12,9) Er möchte sein Lieben und seine Liebe durch uns zum Ausdruck bringen. Wenn das passiert, ist unsere Seele zutiefst berührt und erfüllt.

Gott möchte keine “Opfer” von dir. Sein Wille für dich ist Jesus (Joh 6,40). Jesus Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit. (Kol 1,27). Er möchte das Werk, welches er in dir angefangen auch vollenden. (Phil 1,6)

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