Der untreue faule Knecht o. Diener in Lukas 12 und Matthäus 24

Der untreue faule Knecht o. Diener in Lukas 12 und Matthäus 24

Wer ist gemeint in Lukas 12 und in Matthäus 24 als Jesus im Gleichnis vom untreuen faulen Knecht (o. Diener) spricht, der Strafe und Schläge bekommt und sogar ins Feuer geworfen wird? Kann ich als Christ – als Gläubiger an Jesus Christus – gemeint sein? Wird Jesus das zu mir sagen? Welche Rolle spiele ich bei der Wiederkunft Jesu? Wie wird es für mich sein?

Lies dir vor dem Artikel gerne Lukas 12:41-48 in deiner Bibel durch. Es ist immer gut, sich auch selbst vorher Gedanken zu machen bevor man ein Bibel Kommentar o.ä. liest. Also “bis gleich” 😉

Warum sollte Jesus mich denn nicht meinen?

Wie neigen leider manchmal dazu, uns immer direkt bei jedem Gleichnis oder bei jedem Bibel Vers uns direkt angesprochen zu fühlen als Kind Gottes bzw. Gläubiger an Jesus Christus. Aber das ist nicht immer der Fall. Deshalb ist es wichtig, sich solche Bibelstellen im Kontext anzugucken. Wer und was ist hier eigentlich gemeint? Ansonsten nutzt der Feind gerne solche aus dem Zusammenhang gerissene Verse oder Lehre, um uns zu verunsichern und uns in die Irre zu leiten. Aber die Wahrheit macht frei und Lüge bindet. Übrigens selbst Petrus stellt Jesus die Frage in Lukas 12:41, wen er eigentlich genau bei diesem Gleichnis meint. Siehst du, es ist völlig in Ordnung Jesus beim Bibel lesen zu fragen: “Herr, was und wen meinst du hier gerade?” 🙂

Was ist mit meiner bereits vorhandenen Identität in Christus?

Folgende Gedanken haben mich veranlasst, zu hinterfragen, ob ich als Christ in diesem Gleichnis als untreuer Knecht gemeint sein kann. In dem Gleichnis und Kontext wird von Strafe gesprochen. Und das Gott den Knecht aufgrund seiner Tätigkeit und Untreue entsprechend schlagen, bestrafen, in Stücke hauen und sein gebührenden Platz zu den Ungläubigen (Hölle?) anweisen wird.

An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, ich bin total für Nachfolge, die sich in Dienerschaft und Hingabe an Jesus Christus und an das Reich Gottes ausdrückt. Dennoch glaube ich nicht, dass wir als Gläubige nach dem Kreuz, also wiedergeborene Christen, damit gemeint sind. Wenn ja, widerspricht sich das für mich mit anderen Aussagen aus den Briefen des neuen Testamentes.

  • Wenn ich Jesus annehme, werde ich von Neuem also aus Gott selbst geboren. ( Siehe Johannes 1 und 2 Kor 5:17)
    • In Jesus Christus bin ich bereits lebendig und wiedergeboren (1.Petrus 1:3)
  • In Jesus Christus bin ich bereits Miterbe und Teilhaber des Reich Gottes. (Römer 8:17)
  • In Jesus Christus bin ich bereits gesegnet mit allem geistlichen Segen ( Eph 1:3)
  • In Jesus Christus gibt es für mich keine Verdammnis mehr (Römer 8:1)
  • In und durch Jesus Christus bin ich lebendig gemacht, habe das ewige Leben erhalten und bin aus Gnade errettet. Ich wurde mitauferweckt und mit Ihm in die Himmelswelt versetzt. (Eph 2:5-6)
  • Gott hat uns versprochen uns nie zu verlassen (Hebräer 13:5)
  • Und das uns nichts von seiner Liebe trennen kann (Römer 8:35)
  • Und das als wir das Evangelium gehört haben und zum Glauben gekommen sind, mit dem Heiligen Geist versiegelt wurden ( Eph 1:13) und er das Unterpfad für unser (bereits vorhandenes ) Erbe ist.
  • Die Gerechtigkeit Gottes ist ein Geschenk in Jesus Christus. Ein GESCHENK. (Römer 5:17)
    • An einer anderer Stelle heißt es, wenn Gott uns sogar sein Sohn Jesus gibt, wird er uns dann auch nicht alles andere SCHENKEN? (Römer 8:33)
  • Der Hebräerbrief lädt mich ein, zum Thron der Gnade zu kommen, um Barmherzigkeit und Gnade zu empfangen. (Hebräer 4:16)
  • Sind wir untreu, bleibt er treu. (2. Tim 2:13, Römer 3:3)
  • In Jesus Christus bin ich ein Geist mit ihm (1.Korinther 6,17)
  • Und das dieser Geist Gottes, den ich empfangen habe, Zeugnis darüber gibt, dass ich ein Kind Gottes bin und zu Ihm gehöre? (Römer 8:16)
  • und so weiter und so fort ….. und VIELES MEHR
  • Ein weiterer Punkt fällt mir ein: In dem Gleichnis wird von Abwesenheit des Meisters gesprochen aber mit der Neugeburt in Christus ist doch Gott durch den Heiligen Geist permanent in mir und möchte mich lehren und leiten.

An dieser Stelle sei mal gesagt: Danke Jesus! Für dein vollbrachtes Werk. Es ist vollbracht! Fertig! In Demut und Dankbarkeit nehme ich all das an. Aus Gnade.

Hebt das Gleichnis nun plötzlich alles wieder auf?

Und was ist mit der ganzen Thema Sünde? Wurde Jesus Christus nicht bereits für mich zur Sünde und bekam ich nicht bereits aus Gnade durch Glauben seine Gerechtigkeit? Jesus ist bereits für all meine Schuld und Sünde Gott gegenüber gestorben. In Jesus Christus bin ich gerecht, geheiligt und gereinigt. (1 Korinther 6:11) Ja auch die Sünde das ich ggf. nicht immer ein treuer Knecht war, wurde am Kreuz bezahlt. Ich habe bereits die Vergebung in Jesus Christus empfangen.

Und plötzlich kommt diese Bibelstelle und soll mir kommunizieren, dass nach ALL dem was wir da oben gelesen haben, doch eventuell ein Tag kommt, wo Jesus mich schlägt, in Stücke haut und zu den Ungläubigen wirft weil meine Leistung als Knecht nicht stimmen? Aus Gnade und als Geschenk wie das Wort Gottes es sagt, wurde ich gerettet. Das ewige Leben wurde mir in Jesus Christus geschenkt. Es braucht Demut es anzunehmen und sich einzugestehen, dass man Rettung braucht und sich nicht selbst rechtfertigen kann. Aber Gott sei Dank, sandte Gott seinen Sohn Jesus Christus der stellvertretend für unsere Sünden starb. EIN GESCHENK. GNADE.

Aus Gnade wurde ich vom Neuen geboren und gerettet. Und plötzlich soll aufgrund meiner Tätigkeit als wartender Knecht all das wieder weggenommen werden? Drückt Gott plötzlich die große “Str + Z” (Rückgängig machen) Taste? Macht er sein wunderbares vollbrachtes Werk, welches er in mir angefangen hat und gesagt hat, dass er es vollenden wird (Phil 1:6) … wieder rückgängig? Nein. Das macht kein Sinn. Das würde sich alles mit den Briefen aus den neuen Testamenten widersprechen. Also lässt sich nur vermuten, dass mit dem Gleichnis jemand anders gemeint ist. Das klären wir in den nächsten Abschnitten.

Was Jesus nicht geantwortet hat

Jesus spricht an dieser Stelle und vorher überwiegend zu den Juden und Pharisäern. Wie bereits gesagt, finde ich es sehr interessant, dass selbst Petrus hier die Frage stellt, wen Jesus genau mit dem Gleichnis meint. Also selbst den Jüngern scheint das nicht so ganz klar gewesen zu sein. Und noch spannender finde ich es, dass Jesus nicht eine einfache klare Antwort gibt im Sinne von: “Ja, ihr seid gemeint.” oder “Alle sind gemeint” oder “Diese Personen sind gemeint…”. Jesus Antwort ist auch wieder eine Art Gleichnis.

Lukas 12:42
Der Herr antwortete: „Wer ist demnach der treue Haushalter, der kluge, den sein Herr über seine Dienerschaft setzen wird, damit er ihnen das gebührende Speisemaß zu rechter Zeit gebe?
Lukas 12:43
Selig zu preisen ist ein solcher Knecht, den sein Herr bei seiner Rückkehr in solcher Tätigkeit findet.
Lukas 12:44
Wahrlich ich sage euch: Über seine sämtlichen Güter wird er ihn setzen.
Lukas 12:45
Wenn aber ein solcher Knecht in seinem Herzen denkt: ‚Mein Herr kommt noch lange nicht!‘ und dann anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, zu schmausen und zu zechen und sich zu betrinken:
Lukas 12:46
so wird der Herr eines solchen Knechtes an einem Tage kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und wird ihn zerhauen (Mt 24,51) lassen und ihm seinen Platz (oder: sein gebührendes Teil) bei den Ungetreuen (oder: Ungläubigen) anweisen.
Lukas 12:47
Ein solcher Knecht aber, der den Willen seines Herrn gekannt und doch nichts ausgeführt und nichts nach seinem Willen getan hat, wird viele Schläge erhalten;
Lukas 12:48
wer dagegen seinen Willen nicht gekannt und Dinge getan hat, die Züchtigung verdienen, wird nur wenige Schläge erhalten. Wem aber viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert werden, und wem viel anvertraut ist, von dem wird man auch um so mehr verlangen.“

Von welchem Knecht spricht Jesus?

Die Bezeichnung Knecht oder Diener wird auch für das Volk Israel verwendet. Das erkennen wir anhand der Bibelstelle z.B. Jesaja 41:8 oder Jesaja 44:1 +21 oder Jesaja 45:4 oder Jesaja 49:3. Für mich würde das Sinn ergeben, dass Jesus hier die Nation Israel selbst meint, wenn er von dem Knecht spricht. Das würde besonders zum Jesaja 65 passen.

Jesaja 41:8
Du aber, Israel, mein Knecht, du Jakob, den ich erwählt habe, Sprössling Abrahams, meines Freundes.

Jesaja 65:1
„Ich bin zu erkunden gewesen für die (oder: von denen), welche nicht (nach mir) fragten (oder: gefragt hatten), und ich bin zu finden gewesen für die (oder: von denen), welche mich nicht suchten (oder: gesucht hatten); ich habe ‚Hier bin ich! Hier bin ich!‘ gesagt zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief (oder: noch nicht angerufen hatte).

Nach meiner aktuellen Auffassung ist der ungläubige Teil der Nation Israel ( … all die, die nicht die Gerechtigkeit durch Jesus Christus empfangen) der untreue Knecht, der zerhackt und zusammen mit den Heiden in die Hölle geworfen wird. Der treue Knecht ist die Gemeinde Gottes, die auf Jesus Christus als Gottes Messias vertraut hat und freudig und sehnsüchtig auf seine Wiederkunft wartet.

Was für ein Haushalter?

Der Nation Israel wurden große Privilegien und Verantwortungen gegeben. Israel war zum Beispiel die Nation, durch die das “Licht” zu den Nationen ausgegossen werden sollte. Israel war der Verwalter, durch den die Heilige Schrift der Welt gegeben wurde. Israel, wie Jona, wollte nicht, dass dies geschieht. Israel widersetzte sich bis zum Schluss. Israel verzehrte seine Segnungen an sich selbst. Israel missbrauchte nicht nur die Heiden, es missbrauchte auch seine eigenen, wie seine Propheten oft sagten. Die anfänglichen Kapitel der Prophezeiung von Jeremia schildern perfekt genau das, was unser Herr “dem Knecht” vorwirft (vgl. Jeremia 4-6).

Die letzten beiden Verse unseres Textes, Lukas 12,47-48, sind besonders bedeutsam, wenn man sie im Licht der Tatsache betrachtet, dass das ungläubige Israel der untreue Knecht ist. Das Gericht, so lehrte Jesus, wurde entsprechend der Erkenntnis verhängt. Größeres Verständnis bedeutete größere Bestrafung für diejenigen, die es ablehnten. Israel hatte dieses größere Verständnis und damit auch seine Strafe.

Worum geht es also im Kern?

Die Haltung des Menschen gegenüber dem zweiten Kommen des Herrn
ist das Ergebnis seiner Reaktion auf sein erstes Kommen.

Diejenigen, die die Wiederkunft unseres Herrn sehnlichst erwarten werden, sind diejenigen, die sein erstes Kommen und Ihn selbst (Jesus Christus der Retter und Erlöser) sehnlichst angenommen haben. Diejenigen, die Jesus nicht als den Messias angenommen und erkannt haben (z.B. die Pharisäer), werden seine Wiederkunft sicher nicht als ein willkommenes Ereignis betrachten.

Wie schaut es bei dir aus? Hast du Jesus Christus und das Geschenk der Gerechtigkeit und Vergebung der Sünden und Neugeburt als Kind Gottes angenommen und empfangen? Wenn ja, darfst du dich auf das zweite Kommen von Jesus Christus freuen. 🙂 Dir ist vollständig vergeben. Durch das Blut Jesu.

Römer 5:88-9
Aber Gott hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren
Und nachdem wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem kommenden Strafgericht gerettet.

Ich bin offen für Kritik und anderer Meinungen

In einigen Bibel Kommentaren habe ich andere Meinungen gelesen, die meinten, dass hier explizit die Nachfolger Jesu gemeint sind. Ich stimme insoweit überein, dass Treue und Dienerschaft ein wichtiges Merkmal in der Nachfolge ist aber keine Bedingung für die ewige Rettung ist. Das ist Jesus allein. Unter den oben genannten Aspekten bin ich derzeit der Meinung, dass dieses Gleichnis mit den ewigen Konsequenzen nicht für wiedergeborenen Christen gemeint sein kann. Das würde sich mit den oben genannten Bibelstellen zur Identität in Jesus Christus widersprechen und die geschenkte Errettung doch bedingt abhängig von der Leistung machen. Wenn du anderer Meinung bist, ist das okay und würde mich freuen, mich mit dir darüber auszutauschen. Ich nehme Kritik ernst, und würde sie ehrlich prüfen. 🙂

Wenn du mir eine Kritik schreibst, wäre mir wichtig, wie du das Zusammenspiel zwischen dem Gleichnis und der Identität “IN CHRISTUS” (als widergeborener Christ) und dem vollbrachten Werk von Jesus Christus löst. Ich freu mich auf deine Antwort und vielen Dank. Wir sind alle Lernende.

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